Sternspuren

Heute vor 15 Jahren, am 24.12.2006, haben wir dich, Noël, in einer stillen Geburt auf der Welt begrüsst und gleichzeitig den Weg des Abschiedes begonnen. Ein Rückblick auf so viel Weg, so viele kleine und grosse Prozesse der Erkenntnis und der Veränderung, des Annehmens und Loslassens, kann mir in kurzen Worten alleine kaum gelingen. Als Zeichen der unendlichen Wertschätzung und der nie verebbten Liebe zu dir, sollen ein paar Bilder aus dem Prozess hier auftauchen dürfen.

Man kann niemanden verabschieden, ohne ihn begrüsst zu haben. Dich zu fühlen, dich zu begrüssen erlaubte uns, gleichzeitig mit dem Abschied zu beginnen.


Weihnachtsdekoration in der Maternité des Salem-Spitals. Tränen liessen die Lichter schweben und schwingen wie ein Choral, der uns die Angst vor dem kommenden etwas erleichtern wollte.


Fly, fly little wing
Fly beyond imagining
The softest cloud, the whitest dove
Upon the wind of heaven’s love
Past the planets and the stars
Leave this lonely world of ours
Escape the sorrow and the pain
And fly again

Fly, fly precious one
Your endless journey has begun
Take your gentle happiness
Far too beautiful for this
Cross over to the other shore
There is peace forevermore
But hold this mem’ry bittersweet
Until we meet

Fly, fly do not fear
Don’t waste a breath, don’t shed a tear
Your heart is pure, your soul is free
Be on your way, don’t wait for me
Above the universe you’ll climb
On beyond the hands of time
The moon will rise, the sun will set
But I won’t forget

Fly, fly little wing
Fly where only angels sing
Fly away, the time is right
Go now, find the light

{ Original song: Celine Dion }


Mit dir irgendwo jenseits der für uns fassbaren Welt, begann der Weg durch die Schatten und Lichter des Diesseits. Schritt für Schritt, Moment für Moment. Lernen nicht zurück und nicht nach vorne zu schauen, sondern viel mehr nach Innen, dahin, wo du noch erreichbar warst und immernoch bist. Erkennen, dass wir unseren Weg selber gehen sollen und dass all die Facetten die sich uns präsentieren, dazu gehören. Farbe und Form, Licht und Schatten, Fülle und Leere, EInsam und Gemeinsam. Und wir durchschreiten bis Heute diese, unsere Welt mit dir im Herzen und ich finde immer wieder deine Spuren – die Sternspuren.


Manchmal geniesse ich es, in die Leere und Stille zu ziehen, in den gedämpften Lichter der Melancholie auf einem Boot zu dümpeln, mich den sanften Wellen der Emotionen hin zu geben – denn nur in dieser Leere fällt es mir leicht, dieses unsichtbare Band vom Vater zum Sternenkind in seiner wirklichen Schönheit zu fühlen und zu leben.


Wir haben gelernt, verstanden und haben uns aktiv auf den Weg gemacht. 15 Jahre lang ist der Weg nun schon geworden. Dabei habe ich das Gefühl, dass du, dein Bruder und wir Eltern allesamt unseren Platz gefunden haben, dass jeder seinen Weg gehen kann und darf, dass für jeden irgendwo ein attraktiver Horizont voller Möglichkeiten ist. Mit uns schwingt die tiefste Trauer und diese Tiefe lässt uns die höchsten Freuden erst wirklich wertschätzen.


Das Glitzern des Moments. Der unfassbare Reichtum des Banalen. Das unbezahlbare Gefühl, dass jedes Funkeln ein Lächeln aus der anderen Welt ist. Die durchströmende Leichtigkeit, die aus dem Schaukeln zu mir fliesst. Die Freude dich kennen gelernt zu haben. Die Dankbarkeit, im Diesseits die Liebe nie verloren zu haben – weder zu dir noch zu meiner Familie, noch zur Welt oder mir. Danke.

In Liebe, dein Vater.


Der Trauerweg in Wort und Bild: https://www.punctumgallery.ch/sternspuren/


Opportunity from within

Frühmorgens in der Weite des Jura, wenn Morgentau, Weite und Farbreichtum sich treffen, zeigt sich das Wunder des Moments. Genau dann ist es leichter zu erahnen, welche Möglichkeiten in mir drin noch schlummern und nur darauf warten, geweckt zu werden.

(Und immer in solchen Momenten, ist sie wieder da, die innige Verbindung mit Noël, unserem Sternenkind, Traces #652)


Early in the morning in the vastness of the Jura, when morning dew, vastness and richness of colour meet, the wonder of the moment is revealed. It is precisely then, when it becomes easier to sense what possibilities are still slumbering inside me, just waiting to be awakened.

(And always in such moments, it is there again, the intimate connection with Noël, our star child, Traces #652)

My son and me, floating in space and time

Heute vor 14 Jahren haben wir unseren ersten Sohn auf der Welt empfangen und damit begann auch der Abschied. In einer stillen Geburt begleiteten wir den Körper des Kindes in unsere Welt, im Wissen darum, dass seine Seele bereits weiter gezogen ist.

Nein, die Zeit heilt keine Wunden. Aber mit der Zeit lernt man, mit den Wunden zu leben und gewinnt so wieder Lebensqualität zurück. Auch heute noch, nach tausenden von Tagen und Nächten, zieht es mich manchmal weit hinaus auf das stille Wasser, an einen Ort, an dem ich das Gefühl habe die Verbindung zu diesem mir so fernen und so nahen Wesen gebührlich wahrnehmen zu können.

Noël. Gestorben am 22.12., geboren am 24.12.2006. Du fehlst mir an manchen Tagen immer noch sehr. Das zeigt mir, dass die Liebe alles andere überdauert.

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14 years ago today we welcomed our first son into the world and with that began the parting. In a silent birth, we accompanied the child’s body into our world, knowing that his soul had already moved on.

No, time does not heal wounds. But with time, one learns to live with the wounds and thus regains quality of life. Even today, after thousands of days and nights, I am sometimes drawn far out onto the still waters, to a place where I feel I can duly perceive the connection with this being so far from me and so close.

Noël. Died Dec 22, born Dec 24, 2006 I still miss you a lot some days. It shows me that love outlasts everything else.

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