Das smaragdgrüne Auge der Welt
Wie die Welt mich beim Erfinden meiner Wirklichkeit beobachtete und meine Gewissheiten mit einem Lächeln davontrug.

Manchmal fehlen die Worte.
Nicht, weil nichts zu sagen wäre. Sondern weil die Welt sich einer einfachen Sprache entzieht. Zu vieles geschieht gleichzeitig. Krisen, Konflikte, Unsicherheiten und persönliche Herausforderungen überlagern sich. Die Welt erscheint chaotisch, fordernd, vielleicht sogar feindlich.
Dann aber: Smaragdgrün. Licht, das über den Grund wandert. Farben, die ineinanderfließen. Keine Sensation und auch kein Spektakel. Dafür dieser stille Augenblick, der nichts von mir verlangt.
Und während mein Blick den hellen Linien unter der Oberfläche folgt, erinnere ich mich: Was ich Wirklichkeit nenne, entsteht durch die Art und Weise, wie ich wahrnehme, deute und Bedeutung erzeuge. Ich bin nicht nur Beobachter der Welt, sondern Mitgestalter meiner Wirklichkeit.
Das bedeutet nicht, dass ich mir die Welt schönreden soll. Leid bleibt Leid. Ungerechtigkeit bleibt Ungerechtigkeit. Aber es bedeutet, dass ich die Wahl habe, welche Aspekte der Wirklichkeit ich kultiviere.
Eine alte Weisheit erzählt von zwei Wesen, die in uns leben. Das eine nährt Angst, Verbitterung, Misstrauen und Resignation. Das andere lebt von Staunen, Mitgefühl, Zuversicht und Verbundenheit. Auf die Frage, welches der beiden am Ende stärker werde, lautet die Antwort: jenes, das wir füttern.
Während mein Blick auf dem Wasser ruht, wird mir bewusst, wie viele Wunder sich still ereignen. Licht, das tanzt. Schönheit, die sich einfach vor mir ausbreitet. Alles, was es braucht, ist die Bereitschaft, mich berühren zu lassen. Die Pflege dieser Offenheit ist keine Flucht vor der Realität. Sie ist vielmehr eine bewusste Entscheidung, die Fähigkeit zum Staunen nicht verkümmern zu lassen
Denn die Welt ist beides: verwundend und wunderbar.
Vielleicht berührt mich dieses Bild gerade deshalb. Es zeigt nicht einfach Wasser. Es erinnert mich an eine Möglichkeit des Sehens. Mehr noch: an die Freiheit, worauf ich meinen Blick richte.
Und vielleicht beginnt Hoffnung genau dort – in der Entscheidung, trotz allem auch das Wunderbare wahrzunehmen.
The Emerald Eye of the World
How the world caught me in the act of inventing reality—and smiled as my certainties drifted away.
Sometimes words fail.
Not because there is nothing to say, but because the world defies simple language. Too much is happening at once. Crises, conflicts, uncertainty, and personal struggles overlap and blur into one another. The world can feel chaotic, demanding, perhaps even hostile.
And then: emerald green.
Light drifting across the lakebed. Colours flowing into one another. No spectacle. No revelation. Just a quiet moment that asks nothing of me.
As my gaze follows the pale lines beneath the surface, I remember: what I call reality emerges through the way I perceive, interpret, and make meaning. I am not merely an observer of the world. The reality I experience is shaped by the way I meet it.
This does not mean pretending that everything is fine. Suffering remains suffering. Injustice remains injustice. But it does mean that I can choose which aspects of reality I cultivate.
An old teaching speaks of two beings that live within each of us. One feeds on fear, bitterness, distrust, and resignation. The other lives on wonder, compassion, hope, and connection. When asked which one ultimately grows stronger, the answer has never changed: the one we feed.
As my gaze comes to rest on the water, I become aware of how many quiet miracles are unfolding. Light dancing. Beauty spreading effortlessly before me. All it asks is openness.
Cultivating this openness is not an escape from reality. It is a conscious choice not to let the capacity for wonder wither away.
For the world is both wounding and wondrous.
Perhaps that is why this image moves me. It does not merely show water.
It reminds me of a way of seeing.
More deeply, of the freedom to choose what I make room for in my world.
And perhaps hope begins precisely there—in the decision, despite everything, to remain open to the world’s inexhaustible wonder.
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