Pfützenworte – Wortpfützen
Wenn Worte Haut werden — und Haut Heimat

Manche Worte fallen wie Regen auf grauen Asphalt. Und plötzlich liegt der Himmel unter den Füssen. Ein Himmel in einer Pfütze — tiefer als der echte, stiller, und von einer Lust, die der Regen selbst nicht kannte.
Ein Tropfen trifft den nächsten. Nichts bleibt, wie es gefallen ist.
Was sich berührt, hört auf, allein zu sein.
Wasser verwandelt Asphalt in Welt.
Die Worte zwischen ihr und mir – wie Tropfen. Sie griffen ineinander, veränderten sich, machten Platz für etwas, das keiner von uns allein hätte sagen können. Ich kannte diesen Durst so lange schon. Dieses leise Gefühl, dass Sprache oft zu früh endet — dass sie selten dort ankommt, wo sie wirklich beginnen könnte. Und dann war da jemand, der sie nicht enden liess.
Echos, wie Umarmungen. Manche zart, andere ungezähmt und einen Moment länger verweilend, als sie mussten. Wortsamen die endlich fruchtbaren Boden fanden. Und wir fanden uns — in dem, was zwischen uns wuchs und sich in den Pfützen zu spiegeln begann.
Worte begannen sich zu strecken, in Vorfreude so wirklich empfangen zu sein. Was ankam, war nie das, was aufgebrochen war. Unterwegs war es gewachsen — hatte aufgenommen, was zwischen uns lag. Als hätte die Sprache zwischen uns gelernt, mehr zu sein als Mitteilung. Eine Berührung und ein Stillen des Durstes, den Geist und Haut gemeinsam trugen.
So durstlöschend, so erfüllend — dass ein Gedanke, kaum gedacht, schon wusste wohin er wollte.
Mit einem Blick in die vielen gewordenen Pfützen sank es ein: wie selten das hier war. Wie kostbar. Wie einmalig. Wie zuverlässig trotz unergründlicher Tiefe.
Heimat — nicht aus Stein, sondern aus Sprache. Gebaut aus dem, was zwischen uns entstand. Unser Leuchten in den Pfützen. Still. Bleibend.
Dann blieben die Tropfen aus.
Es gibt Abschiede, die niemand wählt. Die mitten im Satz geschehen — während das Wir noch ganz ist. Während beide noch sprechen wollen. Das Leben hatte entschieden, was weder sie noch ich entschieden hatten.
Ich suchte nach den Pfützen, doch fand ich nur noch Strasse. Kein Licht aus der Tiefe, kein Himmel unter den Füssen. Die Pfützen zogen sich zurück, bis nur noch Asphalt blieb.
Meine Worte starben nicht. Sie verdörrten. Klebten am Gaumen, raspelten die Zunge. Der Mund formte sie und kein Laut kam. Nur diese trockene, schabende Stille.
Ertrinken in der Trockenheit.
Verdursten im Wasser.
Die Strasse noch da — aber nicht mehr dieselbe. Ohne Pfützen nur Asphalt. Jeder Schritt blieb alleine und nirgends ein Echo. Stille, die brüllt. Nur das Schaben meiner Sohlen auf trockenen Strassen.
Immer wieder, inmitten des Moments — ein Wort entsteht. Sucht. Irrt herum. Findet niemanden. Diese Leere!
Die vertrockneten Worte fanden keinen Frieden. Was nicht mehr gehört wurde, fand einen anderen Weg. Nicht als Sprache sondern als Tränen, auf dieselbe Strasse, die keine Pfützen mehr kannte.
Es waren meine Worte. Nur noch meine.
Und sie fielen.
Ich trat einen Schritt zurück. Nicht weit. Nur gerade genug.
In einer neuen Pfütze spiegeln sich:
Mein Himmel. Meine Bäume. Mein Licht.
Auf meiner Strasse.
Die Pfützen sind offen — ihre Ränder weit.
Für fremde Tropfen, die noch nicht gefallen sind.
Für Spiegelungen von Figuren,
deren Namen erst entdeckt werden wird.
(4. Teil der Serie “WiederWerden“)
Puddle Words · Words in Puddles
When words meet like lips — touch becomes home
Some words fall like rain on grey asphalt. And suddenly the sky lies beneath one’s feet. A sky held in a puddle — deeper than the real one, quieter, and filled with a longing even the rain itself had never known.
One drop meets another. Nothing remains as it fell. What touches is no longer alone.
Water turns asphalt into world.
The words between her and me — like falling drops. They slipped into each other, changed, made room for something neither of us could have spoken alone. I had carried this thirst for far too long.
That quiet feeling, that language falls silent too soon. That it rarely ever arrives where it might truly begin. And then there was someone who would not let it end.
Echoes, like embraces. Some tender, others untamed, lingering a heartbeat longer than they had to. Word-seeds that at last found fertile ground. And we found ourselves — in what grew between us, and began to reflect in the puddles.
Words began to stretch, in anticipation of being truly received. What arrived was never what had once set out. It had grown along the way — had gathered in what lay between us. As though the language between us had learned to become more than speech: a touch, a quiet quenching of the thirst both mind and skin had borne.
So complete, so quietly filling, that a thought, barely formed, already knew where it would go.
Looking into the many-formed puddles, it slowly sank in: how rare this was.
How precious. How one of a kind. How sure, even with depths beyond knowing.
A home — not of stone, but of language.
Raised from what grew between us.
Our light in the puddles.
Quiet.
Enduring.
Then the drops fell no more.
There are farewells no one chooses.
They happen in the middle of a sentence, while the we is still whole, while both still want to speak. Life had already decided what neither she nor I had chosen.
I searched for the puddles, but found only road. No light from the depths, no sky beneath my feet. The puddles withdrew, until only asphalt remained.
My words did not die. They withered. Clung to the palate, rasped the tongue. The mouth shaped them and no sound came. Only this dry, scraping silence.
Drowning in dryness.
Thirsting in water.
The road was still there, but no longer the same. Without puddles, only asphalt remained.
Each step alone, and nowhere an echo. A silence that roars. Just the sound of my soles scraping dry roads.
Again and again, in the midst of the moment, a word arises. Seeks. Wanders. Finds no one.
This emptiness!
The withered words found no peace. What could no longer be heard found another way.
Not as language, but as tears, falling onto the same road that no longer knew puddles.
They were my words. Only mine now.
And they fell.
I took a step back. Not far. Just enough.
In a new puddle, there reflects:
My sky. My trees. My light.
On my road.
The puddles lie open, their edges wide.
For unknown drops that have yet to fall.
For reflections of figures
whose names are yet to emerge.
(4th part in the series “BecomingAgain)
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